ReHeat
ReHeat – Wärmeeffizienz für die Metropolregion Rhein-Neckar
ReHeat ist das Wärmeeffizienz-Projekt der Metropolregion Rhein-Neckar im Fachbereich Zukunftsfelder und Innovation unter Leitung von Frau Dr. Doris Wittneben. Projektleiterin ist Frau Dr. Folke Wolff. Ziel ist es, dass sich die MRN bis zum Jahr 2030 zu einer der wärmeeffizientesten Regionen Deutschlands entwickelt.
Der Name ReHeat steht dabei für zweierlei: „Re“ verweist auf regional und regenerativ, während „Heat“ die Wärmequellen der Region sowie den Wärme- und Kältebedarf bezeichnet. Um dieses Ziel zu erreichen, werden mehrere zentrale Schritte verfolgt: die Erstellung eines Wärmeatlas, die Dokumentation potenzieller Wärmesenken und vorhandener Infrastruktur sowie das Matching, also die systematische Verknüpfung ungenutzter Wärmequellen mit passenden Abnehmern.
Datenquellen und Ansätze
Für die Arbeit von ReHeat werden zahlreiche Datenquellen ausgewertet. Industrielle Abwärme wird über die auf Plattform für Abwärme (PfA) öffentlich verfügbaren Daten ausgewertet und durch Standorte weiterer möglicher Lieferanten wie Lebensmittelbetriebe, Rechenzentren oder Kläranlagen ergänzt. Flusswärme wird anhand von Durchflussmengen aus Pegelständen ermittelt, ggf. eine Modellierung vorgenommen, Abwasserwärme anhand von Kläranlagendaten und Abwasserkanälen. Auch die Geothermie spielt eine wichtige Rolle, gestützt auf Informationen des Bundesverbands Geothermie und des Geothermischen Informationssystems.
Der Wärmebedarf von Gebäuden wird mit Hilfe verschiedener Wärme- und Energieatlanten dargestellt und durch potenzielle Ankerkunden wie Schulen, Kliniken oder Schwimmbäder ergänzt. Hinzu kommen Daten zu bestehenden Wärmenetzen, beispielsweise von der AGFW. Besonders dort, wo große Mengen industrieller Abwärme zur Verfügung stehen, werden Optimierungsmöglichkeiten geprüft. Dies umfasst sowohl interne als auch externe Abwärmenutzung, den direkten Kontakt mit relevanten Akteuren, die Einbindung von Nahwärmenetzbetreibern sowie Energieversorgern und Verbrauchern. Gleichzeitig wird ein lokales Netzwerk zur Wärmenutzung aufgebaut und die Abstimmung mit der kommunalen Wärmeplanung vorangetrieben.
Ihre Beteiligung
ReHeat lebt von der Mitwirkung regionaler Unternehmen und Institutionen. Haben Sie Abwärmemengen in Ihrem Betrieb? Benötigen Sie Wärme oder möchten Sie Ihren Energieverbrauch nachhaltiger gestalten? Verfügen Sie über Erfahrungen im Ausbau von Wärmenetzen oder möchten Sie sich einem regionalen Wärmenetzwerk anschließen?
Dann lassen Sie uns Kontakt aufnehmen – gemeinsam gestalten wir eine zukunftsfähige, klimafreundliche und effiziente Wärmeversorgung für die gesamte Region.
Neuigkeiten aus ReHeat, dem Projekt zur Wärmeeffizienz in der Metropolregion Rhein-Neckar
Januar 2026
Zahlen, Mythen, Fakten zur industriellen Abwärmenutzung
Die Auswertung der Daten aus der Plattform für Abwärme (PfA, BfEE - Plattform für Abwärme) ist im Projekt ReHeat vorerst abgeschlossen – und damit liegt erstmals eine öffentliche, strukturierte Übersicht über gewerbliche Abwärmepotenziale für die Region vor. Die PfA macht Abwärmedaten von Unternehmen sichtbar, deren Gesamtendenergieverbrauch über 2,5 GWh pro Jahr liegt. Das Ziel: Abwärme nutzbar machen, Energieeffizienz steigern und neue Wärmelösungen beschleunigen.
Wenn Sie Einblicke in die regionale Wärmeatlaskarte, Auszüge aus dem Datensatz oder Unterstützung für Ihr Wärmeprojekt wünschen, nehmen Sie bitte Kontakt zur Projektleitung, Dr. Folke Wolff, auf. Neben den öffentlich verfügbaren PfA-Datensätzen (zuletzt aktualisiert November 2025, künftig regelmäßig) liegen der MRN zudem weitere Firmenkontakte vor, die ihre Bereitschaft für Wärmeprojekte signalisiert haben.
Was ReHeat konkret beigetragen hat
Für die Region wurden die gemeldeten industriellen Abwärmewerte räumlich eingeordnet (Wo liegen die Potenziale?) und inhaltlich sortiert (Was steckt dahinter?). So entsteht ein klareres Bild: Welche Branchen liefern relevante Mengen – und wo lohnt sich der zweite Blick?
Die größten Abwärme-Mengen nach Branchen
Die Branchenauswertung zeigt ein deutliches Bild: Energieintensive Industrien dominieren – das überrascht nicht. Auffällig ist aber auch: Abwärme steckt längst nicht nur in klassischen Schwerindustrien, sondern teils auch in flächig verteilten Bereichen, die in vielen Kommunen „vor der Haustür“ vorkommen.
Top-Melder für die Metropolregion Rhein-Neckar (Auszug, industrielle Abwärme gemäß PfA in GWh/a): (BalkenGRAFIK!)
- Chemische Industrie / Kunststoffprodukte: 6.118,9
- Papier / Pappe / Verpackungen: 1.291
- Müllverbrennungen: 493
- Lebensmittelindustrie (u. a. Großbäckereien, Getränke, Mühlen): 216,2
- Energieversorger / Stadtwerke: 126,3
- Technische Gase: 83,5
- Software / IT: 70,9
- Großhandel / Supermärkte: 46,1
- Kliniken: 23,1
Gerade Software/IT, Großhandel/Supermärkte und Kliniken sind interessant, weil sie regional breit verteilt sind und dadurch für dezentrale oder netznahe Lösungen relevant werden können.
Wichtig: Nicht jede Meldung ist automatisch „nutzbare Wärme“
Bei genauer Betrachtung wird klar: Nicht jeder Datensatz bedeutet eine realistische, wirtschaftliche Abwärmenutzung. Teilweise sind Meldungen direkt mit Hinweisen versehen, dass die Nutzbarkeit eingeschränkt oder unmöglich ist. Deshalb gilt: Potenzial ist ein Startpunkt – die Machbarkeit entscheidet sich im Einzelfall.
Auch eine Einordnung nach Wärmeträgermedium (z. B. Abwasser, Abluft, Rauchgas, Kühlwasser) wurde entsprechend der Datenlage vorgenommen. Das Bild: eine relativ gleichmäßige Verteilung über mehrere Medien. Aber auch hier gilt: Nutzbarkeit ist standort- und prozessabhängig.
Mythos vs. Realität
Mythos 1: „Firmen nutzen Abwärme nicht, weil sie nicht wollen.“
Fakt: Häufig sind es eher unterschiedliche Planungshorizonte und Anforderungen an Verlässlichkeit als fehlender Wille.
Industriebetriebe planen oft 3–5 Jahre voraus – Wärmenetze und Infrastruktur brauchen dagegen verlässliche Zusagen für einen Zeitraum von 10–15 Jahren. Diese Lücke ist aktuell eine der größten Hürden.
Lösungsansatz: Die KfW prüft derzeit, ob über Bürgschaften für die beteiligten Industrieunternehmen diese Diskrepanzen abgefedert werden könnten.
Mythos 2: „Industrielle Abwärme ist meist nicht wirtschaftlich nutzbar.“
Fakt: Es gibt zahlreiche erfolgreiche Projekte. Wiederkehrende Erfolgsfaktoren sind:
- Motivation & Vertrauen zwischen Industrie und Wärmeversorgung
- Schrittweiser Ausbau statt „alles auf einmal“
- Langer Atem (Vorlaufzeiten von bis zu 10 Jahren sind nicht ungewöhnlich)
- Speicherlösungen, um Saisonalität und Schwankungen abzufedern
- Sektorkopplung (Strom/Wärme) und Nutzung von Preisschwankungen als Wirtschaftlichkeitshebel
Für die Abbildung von Grund-, Mittel- und Spitzenlasten sind ganzjährig verfügbare Quellen mit hoher Verfügbarkeit besonders wertvoll – hier bieten Fließgewässer und Abwasser (industriell wie kommunal, etwa Kläranlagen oder Kanäle) oft die größten Chancen.
Beispiele für die Projekte, auch in der Metropolregion Rhein-Neckar:
1. Ostercappeln: Waffelfabrik, Nahwärmenetz, Genossenschaft – seit 2015 in Betrieb Nahwärme durch industrielle Abwärme
2. Mertingen: Fa. Zott, Biogasanlagen, PV-Anlage, Nahwärmenetz - GP Joule/Gemeinde Mertingen Die Zukunft des Heizens mit Fernwärme in Mertingen
3. Wörth am Rhein: Wärmewerk Wörth, Geothermie, Nahwärmenetz, Daimler Truck Werk Wärmewerk Wörth — klimaneutrale Wärmeversorgung durch Geothermie
4. Hamburg: Kupferhütte Industrielle Abwärme für 20.000 Haushalte: Wichtiger Schritt für die Hamburger Wärmewende - Norddeutsches Reallabor
Mythos 3: „Im ländlichen Raum sind Wärmenetze grundsätzlich unwirtschaftlich.“
Fakt: Es existieren Gegenbeispiele – bis hin zu Ortschaften mit nur rund 900 Einwohner*innen, in denen Wärmenetze erfolgreich umgesetzt wurden. Entscheidend sind weniger starre Faustwerte zur Wärmedichte, sondern ein flexibles Gesamtkonzept: Projektstruktur, Betreibermodell und lokale Rahmenbedingungen. Möglich sind z. B. Modelle über Energieversorger, Bürgergenossenschaften oder Betreibergesellschaften mit kommunaler Beteiligung.
Beispiele, auch in der Metropolregion Rhein-Neckar:
1. Bracht: Nahwärme Bracht | ein Dorf wird zukunftsfähig
2. Kraichgau: BürgerEnergieGenossenschaft Kraichgau
3. Starkenburg/Lorsch: Energiegenossenschaft Starkenburg eG - Heppenheim
Wie geht es weiter?
ReHeat begleitet weiterhin verschiedene Projektansätze. Zusätzlich ist geplant, ein Informationsportal rund um das Thema Wärme aufzubauen – damit Kommunen, Unternehmen und Projektträger schnell und gezielt Antworten für ihre jeweiligen Fragestellungen finden.
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