veröffentlicht am 29.09.2026

Wie kommunale Digitalisierung trotz knapper Kassen gelingt Mannheim/Rhein-Neckar

Wie kommunale Digitalisierung trotz knapper Kassen gelingt

Der Realitätscheck: Anspruch trifft Haushaltslage

Haushaltskonsolidierung und Personalmangel engen den Handlungsspielraum in vielen Kommunen ein. Gleichzeitig bleibt der Bedarf hoch, Verwaltungsleistungen zu digitalisieren und eine verlässliche Daseinsvorsorge zu sichern. Die Konferenz fragt deshalb nach der Machbarkeit: Welche Lösungen lassen sich einfach implementieren, was kosten sie und wer stemmt sie operativ?

„Die Digitalisierung der Verwaltung bleibt eine der zentralen Aufgaben für unsere Kommunen – und sie wird unter den derzeitigen Haushaltsbedingungen nicht einfacher. Die Smart Region Konferenz bietet deshalb bewusst einen Rahmen für den fachlichen Austausch über Lösungen, die sich in der Praxis bewährt haben", sagte Ralph Schlusche, Verbandsdirektor des Verbands Region Rhein-Neckar, in seiner Begrüßung.

Zwei Mal Malsch: Was im Rathausalltag wirklich trägt  

Für die kommunale Perspektive im Panel sorgte eine Konstellation, die es so selten gibt: Mit Tobias Greulich (Malsch im Rhein-Neckar-Kreis, rund 3.400 Einwohnerinnen und Einwohner) und Markus Bechler (Malsch im Landkreis Karlsruhe, rund 15.000 Einwohnerinnen und Einwohner) diskutierten die Bürgermeister zweier gleichnamiger Gemeinden miteinander. Mit Mirko Mühlpfort, Teamleiter Digitale Infrastrukturen und Daten bei der Stadt Leipzig, und Patricia Hergesell, Teamleiterin Kompetenzzentrum Digitale Infrastrukturen und Daten bei der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH, wurde die Runde um den Maßstab der Großstadt und die regionale Ebene ergänzt.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Digitalisierung gelingt, wenn die Haushaltsmittel knapp sind. Ein Befund aus der Praxis zog sich durch die Runde: Erfolgreiche Digitalisierung braucht eine klare Verankerung an der Spitze der Verwaltung. Wo das Thema als Querschnittsaufgabe nebenherläuft, bleibt es liegen; wo es organisatorisch an einer Stelle gebündelt ist, entstehen Entscheidungen und Tempo.

Deutlich wurde außerdem, dass sich der Nutzen kommunaler Digitalisierung nicht auf Kostensenkungen reduzieren lässt. Digitalisierte interne Prozesse entlasten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Routinen, machen Verwaltungen im Wettbewerb um Fachkräfte attraktiver und sichern Handlungsfähigkeit. Ähnliches gilt für den Einsatz von Sensorik: sie liefert vor allem eine belastbare Datengrundlage für Entscheidungen und zahlt damit auf strategische Ziele ein – von der Parkraumsteuerung über den Ressourceneinsatz bis zur Klimaanpassung.

Vom Förderprojekt zum Dauerbetrieb: Impuls, Praxis-Sessions und Beispiele aus der Region

Den Eröffnungsimpuls gab Renate Mitterhuber, Referatsleiterin „Smart Cities“ im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Unter dem Titel „Vom Förderprojekt zum Dauerbetrieb: Wie gelingt Digitalisierung in Zeiten knapper Kassen?“ ordnete sie ein, wie geförderte Modellvorhaben in den Regelbetrieb überführt werden können und welche Rolle Nachnutzung und offene Standards dabei spielen.

Genau darauf zielt das Bundesprogramm Modellprojekte Smart Cities (MPSC): Seit 2019 fördert der Bund in drei Staffeln 73 Modellprojekte– von Großstädten über Kleinstädte bis zu interkommunalen Kooperationen. Entscheidend für die Übertragbarkeit ist das im Programm verankerte Open-Source-Gebot: Die entwickelten Lösungen sind nicht an einzelne Anbieter gebunden und können von anderen Kommunen nachgenutzt werden. Die smarte und nachhaltige Metropolregion Rhein-Neckar ist selbst eines dieser Modellprojekte – und damit auch Ausgangspunkt für den Transfer in die Breite der Region.

Wie dieser Transfer praktisch aussieht, zeigte die Transfer-Werkstatt mit vier parallelen Praxis-Sessions: Erfahrungsberichte zu Buchungsplattformen, der Urban Stack der Stadt Gütersloh, die Open SmartCity App (OSCA) sowie Park-Stark und die Verkehrsdatenanalyse der Smart City Mannheim. Die Lösungen liegen offen vor und lassen sich übernehmen. Die Teilnehmenden konnten die Anwendungen live erproben und direkt mit den Umsetzenden über Aufwand, Betrieb und Kosten sprechen.

Über die Smart Region Konferenz

Die Metropolregion Rhein-Neckar richtet die Smart Region Konferenz seit 2022 jährlich aus. Sie bringt kommunale Entscheiderinnen und Entscheider, Digitalisierungsbeauftragte und Smart-City-Akteure aus der Metropolregion Rhein-Neckar und darüber hinaus zusammen.

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Portrait von Patrick Schütz

Patrick SchützLeiter Öffentlichkeitsarbeit und Regionalmanagement