Kooperationsvereinbarung zum Regionalen Verkehrsmanagement unterzeichnet – 4. Sitzung des Steuerkreises des Mobilitätspaktes Rhein-Neckar
Am 29. September 2025 fand in Mannheim die 4. Sitzung des Steuerkreises des Mobilitätspaktes Rhein-Neckar statt. Im Mittelpunkt standen die Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zum Regionalen Verkehrsmanagement sowie ein Überblick zum aktuellen Sachstand der fünf Arbeitsfelder. Der Steuerkreis verabschiedete zudem die Schwerpunktsetzungen für das kommende Jahr.
Kooperationsvereinbarung zum Regionalen Verkehrsmanagement unterzeichnet
Im Mittelpunkt der Sitzung stand die Unterzeichnung der neuen Kooperationsvereinbarung zu einem Regionalen Verkehrsmanagement in der Rhein-Neckar-Region. Die Vereinbarung wurde von den Ländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen, dem Verband Region Rhein-Neckar (VRRN), dem Rhein-Neckar-Kreis und den Städten Mannheim und Ludwigshafen unterzeichnet. Diese Vereinbarung ist Grundlage der partnerschaftlichen und grenzüberschreitenden Vernetzung und Steuerung des Verkehrsflusses im Kernraum der Metropolregion Rhein-Neckar.
Ziel des Verkehrsmanagements ist, mit einer dynamischen und integrierten Verkehrslenkung die Verkehrssituation im grenzüberschreitenden Verkehr im Kernraum der Metropolregion deutlich zu verbessern. Neben der Reduzierung von Reisezeitverlusten steht eine Erhöhung der Zuverlässigkeit und Qualität des regionalen Verkehrssystems im Fokus. Das regionale Verkehrsmanagement wird hierzu wesentliche Bestandteile wie den Verkehrsmanagementplan (VMP), ein abgestimmtes Verkehrsmanagementsystem (VMS) sowie die notwendige technische Infrastruktur umfassen. Die verkehrsträgerübergreifende Zusammenarbeit und der Daten- und Informationsaustausch zwischen den Partnern sind dabei zentrale Erfolgsfaktoren.
In den kommenden Monaten rückt die Umsetzung erster konkreter Maßnahmen in den Mittelpunkt, um die Mobilität in der Region nachhaltig und zuverlässig zu verbessern. Die Planungen werden mit Nachdruck vorangetrieben. Die Länder und der VRRN übernehmen dabei die federführende Koordination und teilen sich sowohl die Aufgaben als auch die Kosten für die weitere Planung. Die enge Kooperation über drei Ländergrenzen hinweg ist dabei einmalig und ein großer Erfolg des länderübergreifenden Mobilitätspaktes Rhein-Neckar.
Ausbau des Verkehrsmodells auf die gesamte Region
Der Verband Region Rhein-Neckar hat ein Verkehrsmodell für den Kernraum der Region seit dem Frühjahr 2022 im Einsatz. Zu diesem Kernraum gehören die Städte Ludwigshafen und Mannheim sowie das direkt angrenzende Umfeld. Dieses Modell soll auf die gesamte Metropolregion ausgeweitet werden. Dafür wird aktuell das Leistungsverzeichnis vorbereitet, damit 2026 eine europaweite Ausschreibung erfolgen kann. Für die Entwicklung des regionalen Verkehrsmodells ist ein Zeitraum von rund zwei Jahren eingeplant, sodass mit einer Verfügbarkeit bis Mitte 2028 gerechnet wird.
Kritik an Schienenpersonennahverkehr bleibt bestehen
Trotz des intensiven Austauschs mit DB InfraGO zeigen sich die Partner des Mobilitätspaktes weiterhin unzufrieden mit der betrieblichen Qualität des Schienenpersonennahverkehrs in der Metropolregion Rhein-Neckar. Es wurde beschlossen, nochmals auf DB InfraGO zuzugehen, um Probleme wie kurzfristige Personalausfälle und wiederkehrende Stellwerksstörungen nachhaltig zu reduzieren.
Erreichbarkeit der Gewerbegebiete – weitere Maßnahmen folgen
Die IHK Rhein-Neckar, der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) und das Regierungspräsidium Karlsruhe untersuchen derzeit die Erreichbarkeit von Gewerbegebieten mit dem ÖPNV sowie mit Rad- und Fußverkehr. Die Untersuchungen fanden im Herbst 2024 vor Ort statt und wurden mithilfe des Analyse-Tools „GOAT“ vertieft. Auf Basis der Erkenntnisse wurden Verbesserungen erkannt. Jetzt werden Maßnahmen und Empfehlungen formuliert. Als nächster Schritt werden bis Jahresende Gespräche mit den ansässigen Unternehmen geführt, um die Ergebnisse zu präsentieren und weitere Anregungen aufzunehmen.
Informationsangebote und punktuelle Verbesserungen im ÖPNV geplant
Gemeinsam mit den Städten Mannheim und Ludwigshafen sollen im nächsten Jahr gezielte Informationsmaßnahmen entwickelt werden, um über bevorstehende straßenbaubedingte Verkehrsbeeinträchtigungen und alternative ÖPNV-Angebote zu informieren. Zudem soll geprüft werden, mit welchen Maßnahmen das ÖPNV-Angebot punktuell, beispielsweise durch weitere P&R-Angebote, verbessert werden kann.
Stefan Dallinger, Vorsitzender des Verbands Region Rhein-Neckar und Leiter des Steuerkreises: „Mit der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zum Regionalen Verkehrsmanagement setzen wir einen wichtigen Meilenstein für die Mobilität in der Rhein-Neckar-Region. Die enge Zusammenarbeit der Länder, Kommunen und des Verbands Region Rhein-Neckar bildet die Grundlage, um den Verkehrsfluss nachhaltig zu verbessern, Staus und Unfälle zu reduzieren und die Lebensqualität für alle in unserer Region weiter zu steigern. Nur gemeinsam können wir die vielfältigen Herausforderungen der Mobilität bewältigen und eine zukunftsfähige und vernetzte Verkehrsinfrastruktur schaffen. Unser Mobilitätspakt Rhein-Neckar bildet dabei die optimale Basis für diese Kooperation.“
Ines Fröhlich, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum Hessen: „Hessen begrüßt den Mobilitätspakt Rhein-Neckar und unterstützt ihn gerne. Mit der Kooperationsvereinbarung gehen wir gemeinsam mit allen Partnern einen Schritt weiter in Richtung eines Regionalen Verkehrsmanagements in der Metropolregion. Dank gemeinsamer Anstrengungen konnten wir einen großen Nutzen für alle erzielen: Für Menschen, die mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind, ebenso wie für diejenigen, die den ÖPNV oder das Auto nutzen. Hier hilft der multimodale Ansatz des Mobilitätspaketes sehr, den Alltag der Menschen in der Region zu verbessern!“
Elke Zimmer, Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg: „Es freut mich, dass wir heute die Kooperationsvereinbarung für das Regionale Verkehrsmanagement unterzeichnet und wir uns als Partner auf eine Beschleunigung in der Umsetzung verständigt haben. Dafür stellt Baden-Württemberg seine Expertise und die entsprechende Technologie zur Verfügung. Das Regionale Verkehrsmanagement bietet einen Stellhebel für eine koordinierte Steuerung des motorisierten Verkehrs in unseren drei Bundesländern. Dies kann vor allem in den Stoßzeiten eine Entlastung für Pendelnde bringen, die Luftqualität in der Region verbessern, die Verkehrsbelastung reduzieren und den Wirtschaftsstandort dadurch stärken.“
Jutta Steinruck, Oberbürgermeisterin der Stadt Ludwigshafen: „Die neue Vereinbarung zum regionalen Verkehrsmanagement ist ein starkes Signal für Zusammenarbeit und Fortschritt. Gemeinsam schaffen wir die Grundlage für eine moderne, vernetzte und klimafreundliche Mobilität in der Rhein-Neckar-Region. Das ist ein Gewinn für Pendlerinnen und Pendler, Unternehmen und die Lebensqualität vor Ort.“
Christian Specht, Oberbürgermeister der Stadt Mannheim: „Verkehrsströme sind heute immer stärker vernetzt und über Gemeinde- und Ländergrenzen hinaus miteinander verwoben – das haben wir in der Metropolregion Rhein-Neckar schon lange erkannt“, sagte Oberbürgermeister Christian Specht und erklärte: „Mit dem Regionalen Verkehrsmanagement tragen wir dazu bei, die Mobilität in der ganzen Region zu verbessern. Dafür integrieren wir die unterschiedlichen Verkehrsträger wie Busse und Bahnen, den motorisierten Individualverkehr sowie den Rad- und Fußverkehr, damit die Bürgerinnen und Bürger ihre Reiseziele zuverlässig, schnell, bequem und klimafreundlich erreichen können.
Manfred Schnabel, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar: „Zusammen mit unseren Partnern im Mobilitätspakt arbeiten wir daran, die Erreichbarkeit der Betriebe zu verbessern. Im Dialog mit den Unternehmen vor Ort werden konkrete Vorschläge gesammelt und die Umsetzung geprüft. Mit Blick auf den Zustand der Infrastruktur und knappen Haushaltsmitteln wird das keine einfache Aufgabe werden. Umso wichtiger ist es, nach Berlin zu schauen: Die Politik darf die Wirtschaft und die Menschen in unserer Region nicht im Stau stehen lassen. Wenn baureife Projekte nicht umgesetzt werden, weil man diese aus dem Kernhaushalt in den Infrastrukturfonds verschieben will, ist das ein fatales Signal für die Unternehmen. Als länderübergreifender Mobilitätspakt werden wir uns dafür einsetzen, die nötigen Gelder für den Infrastrukturausbau vor Ort zu erhalten.“
Albrecht Hornbach, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz: „Mit dem Beginn des Rückbaus der Hochstraße Nord in Ludwigshafen in 2026 werden massive Verkehrsbeeinträchtigungen auf uns zu kommen. Umso wichtiger ist es, dass Pendlerinnen und Pendler dann auf einen zuverlässigen ÖPNV bauen können. Immer wieder gibt es massive Probleme mit den Stellwerken in der Region. Davon ist nicht nur der S-Bahn-Verkehr in Ludwigshafen betroffen, auch überregional gibt es massive Auswirkungen. Die DB InfraGo muss sicherstellen, dass die Stellwerke verlässlich arbeiten.“
Michael Winnes, Geschäftsführer Verkehrsverbund Rhein-Neckar: „Der Schienenverkehr in der Region kann nur durch eine konsequente Ertüchtigung der Infrastruktur im Gesamtknoten Ludwigshafen-Mannheim-Heidelberg dauerhaft wieder verlässlich betrieben werden. Die Region muss daher jetzt die Chancen des Sondervermögens des Bundes nutzen, um dem Knotenausbau bei der DB die notwendige Priorität zu verschaffen. Der Mobilitätspakt ist dafür ein ganz wichtiger Baustein, um alle Beteiligten aus der Region mit ihren jeweiligen Möglichkeiten diesbezüglich zu bündeln.
Dr. Katja Scharpwinkel, Mitglied des Vorstands, BASF SE: „Die ab Sommer 2026 erwarteten Verkehrseinschränkungen rund um die Baumaßnahme Hochstraße Nord verdeutlichen den dringenden Handlungsbedarf: Ein leistungsfähiger und zuverlässiger ÖPNV wird allerspätestens dann für viele Pendlerinnen und Pendler zur BASF unverzichtbar. Gerade im Hinblick auf die fragile Brückeninfrastruktur dürfen keine weiteren Überraschungen auf die rheinquerenden Verkehre zukommen. Als einer der größten Arbeitgeber der Region appellieren wir an alle Beteiligten, gemeinsam tragfähige Lösungen zu schaffen. Die geplante Fertigstellung der Hochstraße Süd bis 2026 ist ein wichtiges Signal. Das 20-jährige Bestehen der MRN zeigt, wie erfolgreich länderübergreifende Zusammenarbeit sein kann.“
Zum Mobilitätspakt Rhein-Neckar:
Hintergrund der Schließung des Paktes waren die Mobilitätsherausforderungen, insbesondere die Situationen an den Hochstraßen im Kernraum der Metropolregion Rhein-Neckar: Die Schnittstelle der drei Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz beheimatet unzählige große und kleinere Arbeitgeber, eine reiche Forschungs-, Bildungs- und Innovationslandschaft sowie viele beliebte Ausflugs- und Reiseziele. Doch wie erreicht die Pendlerin ihren Arbeitsplatz, die Familie am Sonntag ihr Ausflugsziel oder der Forscher sein Labor? Wie gelangen die notwendigen Rohstoffe oder Waren rechtzeitig zu den Produktionsstandorten oder der Online-Einkauf zu den Einwohnern? Wie kann das bestehende Mobilitätssystem zum Nutzen aller klimagerecht umgebaut werden?
Mobilität und Erreichbarkeit sind essenziell, stellen aber die Drei-Länder-Region, insbesondere in den „Rush-Hours“ und im Verdichtungsraum zwischen den Oberzentren Mannheim und Ludwigshafen, vor große Herausforderungen.
Diese Herausforderungen werden grenzüberschreitend bearbeitet und umsetzungsorientiert sollen zukunftsfähige Lösungen gefunden werden. Dabei sollen die Mobilitätswende und der Klimaschutz im Fokus stehen. Unterzeichnende sind neben den Verkehrsministern der drei Bundesländer und dem Verband Region Rhein-Neckar die Städte Ludwigshafen und Mannheim, die IHK Pfalz und Rhein-Neckar, die BASF SE sowie der Verkehrsverbund Rhein-Neckar und der Verein Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar.
Um die vielfältigen Themenfelder der Mobilität in ihrer ganzen Bandbreite und die zahlreichen Verknüpfungspunkte abzudecken und zu bearbeiten, ist der Mobilitätspakt nun in fünf Arbeitsfelder gegliedert. Diese sind der öffentliche Personennahverkehr, die Pendler- und Güterverkehre, das Verkehrsmanagement, allgemeine Mobilitätsaufgaben sowie Rad- und Fußverkehr. Weitere Arbeitsfelder können nach Bedarf ergänzt werden. Die Arbeitsfelder werden von unterschiedlichen Partnern verantwortlich geleitet, wie dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar, den regionalen Industrie- und Handelskammern, dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz, dem Verband Region Rhein-Neckar und dem Regierungspräsidium Karlsruhe. Zwischen den Arbeitsfeldern gibt es einen eng verzahnten Austausch und eine gezielte Koordination. Geleitet wird der Mobilitätspakt von einem Steuerkreis, der insbesondere die Aufgabe erfüllt, die Leitlinien und Zielsetzungen abzustecken und politische Unterstützung bei Grundsatz- und Finanzierungfragen oder bei gemeinsamen Forderungen gegenüber dem Bund zu erzielen.
Weitere Informationen finden Sie unter:
Anlage:
Bilder: © MRN / MR
Hinweis zum Bild der Unterzeichner:innen:
Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zum Regionalen Verkehrsmanagement. Auf dem Bild v.ln.r.: Alexander Thewalt (Beigeordneter Stadt Ludwigshafen); Andy Becht (Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz); Ralph Schlusche (Verbandsdirektor Region Rhein-Neckar); Stefan Dallinger (Verbandsvorsitzender Region Rhein-Neckar und Landrat des Rhein-Neckar-Kreises); Elke Zimmer (Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg); Ralf Eisenhauer (Bürgermeister Stadt Mannheim)
Ansprechpartner